Der Genuss der Einsamkeit

Genuss der EinsamkeitEs ist 2 Uhr morgens und ich schlendere vom menschenleeren S-Bahnhof, an all den geisterhaften Datschen vorbei. Sie liegen zu tausendfach hinter den Millimeter genau beschnitten Büschen hinter den Zäunen der Kleingartenkolonie.

Kein Mensch. Nur ich.

Kein Auto weit und breit. Die Luft ist kühl an diesem Tag Ende April. Viel reiner als tagsüber, wenn die Abgase einem in die Lungen kriechen, so dass es einem schlecht davon wird.

Ich fühle mich frei und einsam zu gleich. Ich schaue zu den beleuchteten Fenstern des Krankenhauses, dass sich langsam am Beginn der Straße aufbaut, in der ich wohne. In der Notaufnahme scheint alles still. Nur das grelle Licht blendet mir in den Augen. Ich schaue wieder auf meinen Weg. Leicht angetrunken, von etwas Bier. Ich fühle mich wohl. Eingepackt in Watte, niemand um mich, dessen Anwesenheit meine Gedanken dazu bringt, mich selbst zu blockieren. Niemand dem ich erklären möchte, wer ich bin. Zu oft versuche ich in anderen zu lesen, was sie von mir denken. Um dann immer wieder voller Verzweiflung fest zu stellen, dass das nicht möglich ist, weil sie sich ihr eigenes Bild machen. Egal was man tut und sagt. Es ist wie ein Zwang, sich in andern spiegeln zu müssen. Jetzt muss ich das nicht mehr. Ich bin frei.

Eine Pusteblume. Sie steht dort einsam. Mit ihrem makellosen weißen Samenball, wie ein Wattebausch. So zerbrechlich und trotzdem so unberührt. Sie steht dort ganz allein, nur umgeben von einem kleinen viereckigen Stückchen Gras, begrenzt durch einen Rahmen aus Beton. Sie wartet auf den richtigen Moment, auf einen Windstoß, der ihre Informationen und Ideen überall hinträgt. Damit dort, wo ein geeignetes Plätzchen ist, etwas neues entsteht. Etwas schönes, so schön wie ihre Makellosigkeit.

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2 Gedanken zu “Der Genuss der Einsamkeit

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